Berliner Schulstrukturreform

14.09.09

Mit der Änderung des Berliner Schulgesetzes, der Verordnung über die
Sekundarstufe I sowie weiterer damit zusammenhängender gesetzlicher Grundlagen ist voraussichtlich im Januar 2010 zu rechnen. Die Entwürfe liegen derzeit dem Abgeordnetenhaus bzw. den zuständigen Gremien zur Beratung und Beschlussfassung vor. Die Änderungen treten mit der Veröffentlichung im GVBl. Berlin in Kraft.

Mit der Einführung ist - je nach bezirklicher Umsetzung - zum Schuljahr 2010/11 bzw. spätestens 2011/12 zu rechnen. Es wird also wiederum den
"Experimentierjahrgang" treffen, der bereits mit den umfassenden Änderungen im Grundschulbereich seit 2004 konfrontiert wurde. 

Die jetzige Schulstrukturreform in Berlin beinhaltet die Reduzierung der
Bildungsgänge der Sekundarstufe I auf das Gymnasium und die integrierte
Sekundarschule. Haupt- und Realschule laufen aus. Die neue Sekundarschule kann als Fortentwicklung der Gesamtschule gesehen werden. Sie wird in größeren Einheiten zusammengefasst (mindestens 4-zügig) und soll im Ganztagsbetrieb laufen. Flexible Stundentafeln, duales (praxisbezogenes) Lernen sowie Kooperationen mit freien Trägern und anderen Schulformen soll zu einer zielgerichteteren und gleichzeitig breiteren Ausbildung führen. Angepasste Stundentafeln, Verringerung der (theoretischen) Klassenfrequenz auf 25 Schüler, zusätzliche Ausstattung für Förderbedarfe sowie den Ganztagsbetrieb sollen stukturell zu verbesserten Lernbedingungen führen. 

Für den Zugang zur Oberschule verbleibt es grundsätzlich beim Elternwahlrecht hinsichtlich der Schulart. Im Falle von Kapazitätsengpässen sollen die Schulplätze nach noch im Detail zu regelnden Verfahren vergeben werden. Im Grundsatz sollen 10 % der Plätze für besondere Härtefälle vorbehalten bleiben. 60 % der Plätze sollen durch die Schulleiter nach von der Schulkonferenz entwickelten und von der Schulaufsicht im Benehmen mit dem Schulträger genehmigten Kriterien und 30 % durch Losentscheid vergeben werden. Die noch zu treffenden Detailregelungen werden Aufschluss darüber geben, wie transparent und
ggf. rechtlich angreifbar das Aufnahmeverfahren ausgestaltet sein wird. 
An den Gymnasien wird das bisherige Probehalbjahr auf ein Probejahr verlängert.

In den  Fällen, in denen  erkennbare Schwierigkeiten auftreten, die einen Verbleib des Schülers am Gymnasium gefährden, soll zusätzlich eine Bildungs- und Erziehungsvereinbarung zum Halbjahr implementiert werden. Bei Nichtbestehen des Probejahres erfolgt ein Wechsel in Klasse 8 der Sekundarschule. Ein späterer Wechsel vom Gymnasium zur Sekundarschule ist nicht mehr vorgesehen. 

Ziel der Reform ist eine Flexibilisierung und bessere Anpassung der Oberschule an die Bedürfnisse der Schüler sowie des Arbeitsmarktes. Entscheidend für die Qualität der Umsetzung der Reform wird sein, wie es den einzelnen Akteuren an den Schulen gelingt, die neuen Kompetenzen und Möglichkeiten zu nutzen, um der Oberschule ein neues und differenzierteres Gesicht zu geben. Die Reform selbst ändert lediglich die Rahmenbedingungen, die mit Leben erfüllt und ausgestaltet
werden müssen.